Feuerzauber

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber wenn jemand weiß, wie man Feste feiert, dann sind es die Mallorquiner! Dieses Wochenende steppt wieder der Drache! Der Ehrentag von St. Sebastian steht vor der Tür und somit die größte Winterfiesta, die Palma zu bieten hat. Gegen 18 Uhr geht es los, wenn der Feuerdrache „Drac de na Coca“ seinen flammenwerfenden Auftritt hat. Ja, ja, das Fabelwesen tanzt, versetzt Kleinkinder in Angst und Schrecken und ob das nicht schon genug wäre, spuckt es auch noch Feuer. Nach dem Bejubeln der Echse folgt der Folklore-Umzug mit Volkstänzen. Erst nach ungefähr zwei Stunden oder auch etwas länger, man nimmt es hier ja mit der Pünktlichkeit nicht so genau, kommt der wesentliche Teil dieser glühenden Veranstaltung. Und das ist das Massengrillen, begleitet von Live-Konzerten.

Das Brutzeln findet an Feuerstellen statt, die von der Gemeinde für ihre feierwütigen Bürger zur Verfügung gestellt werden. Bei den Grillmodellen handelt es sich um zersägte Blechtonnen mit einem Rost darüber. Es ist unbegreiflich, warum die Hauptstadt von Mallorca noch kein Patent auf diese so beliebten Bratroste angemeldet hat. Nach einer heftigen Schubserei bekommt endlich jeder seinen Platz an der Sonne – ähm nein, nicht an der Sonne, sondern am Feuer. Also, meine lieben Leser, seien Sie schnell und vergessen Sie nicht, Ihre Ellenbogen einzusetzen, sonst wird es sehr spät mit dem Platz am Feuer oder gar nicht. Auf die patentfreie Erfindung kommt das drauf, was jeder selbst mitgebracht hat. Beliebt sind Paprika- und Blutwürste, Bauchspeck und Schweinerücken. Doch von Jahr zu Jahr sieht man vermehrt auch Tofuzeugs und diese Vitamindinger, die unter den Vegetariern und Veganern als Gemüse bekannt sind.

Ihre Sitz- und Essmöglichkeiten müssen Sie schon selbst mitbringen, denn die Stadt stellt keine mehr zur Verfügung. Wozu denn auch? Die werden doch sowieso nur kaputt gemacht oder geklaut. Und außerdem, warum sitzen, wenn man auch tanzen kann? Für die mallorquinische Musik sorgen oft berühmte Lokalsänger und Musiker. Also, meine lieben Leser, wenn Sie reichlich gespeist haben, dann sollten Sie auch reichlich das Tanzbein schwingen. Oder noch besser, versuchen Sie, bei dem traditionellen Tanz, dem Ball de Bot, mitzumachen. Das wird sehr lustig, zwar nicht für Sie, aber für die Außenstehenden. Gibt es denn was Schöneres, als den Mitmenschen ein hämisches Lächeln ins Gesicht zu zaubern, indem man verzweifelt versucht mit dem Tanzrhythmus der Mallorquiner mitzuhalten?

Doch wer war eigentlich dieser Sebastian, dem man so viel Huldigung zukommen lässt? Wissen Sie es, meine lieben Leser? Nein? Sie werden vielleicht überrascht sein, aber kaum jemand weiß es mehr heutzutage. Wenn Sie auf der rauschenden Ehrung Ihre Mitfeiernden fragen, dann werden Sie feststellen, auf wie viel Unwissen und Gleichgültigkeit Sie stoßen werden. Den meisten ist es egal, die wollen einfach nur feiern, eine schöne Zeit haben und sich amüsieren. Ich will Sie nun nicht mehr länger auf die Folter spannen und verrate Ihnen, wer der Basti war. Also, der heilige Sebastian wird gegen die Pest, andere Seuchen sowie als Schutzpatron der Wasserbrunnen angerufen. Sein Kult erwuchs vor allem seit dem Schwarzen Tod, der fast die gesamte Inselbevölkerung auslöschte, in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Der ursprüngliche Sinn dieser Veranstaltung ist eigentlich das Erbitten, dass die Insel vor Pest und Krankheit verschont bleibt und dass immer genügend sauberes Wasser da ist. Vor vielen Jahrhunderten war es immer wieder das unreine Wasser, welches für die rasche Verbreitung von Krankheiten und Seuchen auf der Insel geführt hat. Jetzt wissen Sie, meine lieben Leser, warum der St. Sebastian gefeiert wird, also feiern Sie mit und steppen Sie Ihr Tanzbein.

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