Damen

Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber es gibt sie noch, diese feinen mallorquinischen Damen! Meistens sind es ältere Frauen aus gutem Hause. Schon wenn sie den Raum betreten, sei es nur ein schlichtes Café am Marktplatz, strahlen sie so viel Würde und Stolz aus, dass ich mich vor lauter Staunen beinahe an meiner Ensaimada verschlucke. Edelmütig schweben sie zu einem Tisch, drücken ihre Bestellung in einer äußerst vornehmen und melodischen Sprache aus und verwenden exotische Fremdwörter wie „bitte“ und „danke“. Sie behandeln den Kellner mit genauso viel Respekt wie den Eigentümer des Cafés, der sich für ein kurzes Schwätzchen an ihren Tisch setzt.

Kerzengerade positionieren sie sich auf ihrem Stuhl und speisen in einer Manier, die einem königlichen Bankett in nichts nachsteht. Ihre Frisur ist so perfekt, dass selbst ein wilder Tornado die nicht durcheinander bringen könnte, kein Härchen würde je auf die Idee kommen, aus der Reihe zu tanzen. Geschminkt sind diese Grazien dezent, aber der rote Lippenstift ist ein Muss. Ihre Hände? Zart wie Rosenblätter, mit natürlichen Fingernägeln, die in pastellfarbenem oder in blutrotem Lack glänzen. Ein wahrlich ungewöhnlicher Anblick in der heutigen Zeit, in der künstliche Nägel die Frauenhände dominieren. Bravo!

Ihre Kleidung ist stets makellos, adrett und elegant. Für mich sieht es so aus, als ob sie einen persönlichen Schneider hätten, der ihnen jeden Morgen die Kleider auf den Leib schneidert. Der Pelzmantel, den sie trotz angenehmer Temperaturen im Winter tragen, erinnert mich an den Kleiderschrank einer russischen Zarin. Dieser Mantel ist bestimmt mindestens doppelt so alt wie ich und steckt voller Erinnerungen. Der Schmuck dieser vornehmen Mallorquinerinnen ist feinste Handarbeit eines Goldschmiedes, verziert mit funkelnden Edelsteinen, die so brillant leuchten, als ob sie das Licht der Sonne eingefangen hätten.

Und dann wäre da noch ihr Parfüm, das ihre Weiblichkeit betont und den Raum mit einem Hauch von Wohlwollen und Exklusivität erfüllt. Es ist, als ob sie von einer unsichtbaren Aura von Raffinesse und Klasse umgeben sind. Jede Note des Duftes erzählt eine Geschichte von Glamour und Anmut. Auch wenn sie den Ort schon längst verlassen haben, so bleibt ihre Anwesenheit durch ihr Parfüm noch spürbar, ein unsichtbares Zeichen ihrer Einmaligkeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass selbst die Blumen im Café ein bisschen mehr blühen, wenn diese Insulanerinnen in der Nähe sind. Und ja, meine lieben Leser, hier kann 4711 nun wirklich nicht mithalten!

Vielleicht denken Sie jetzt, dass ich vor Neid zerfressen diese Kolumne verfasse? Ja, Sie haben recht! Ich gebe es zu, ich bin neidisch, jedoch nicht auf den Pelz, den Schmuck oder das Parfüm. Ich bin neidisch auf die ältere Generation, besonders auf diese großartigen mallorquinischen Frauen! Wenn sie sich unterhalten, tun sie dies mit einer Kultiviertheit und Noblesse, die an ein meisterhaft gespieltes Violinkonzert erinnert. Ihre Worte sind wohlüberlegt und klingen wie eine Sinfonie in meinen Ohren. Diese Damen sind nicht nur weise, sondern auch ein Vorbild an Höflichkeit und Respekt. Jeden, den sie treffen, grüßen sie mit einem freundlichen Lächeln und einem höflichen Nicken, eine  Verkörperung von Anstand und guter Erziehung! Sie sind die wahren Königinnen der klugen und sinnlichen Fraulichkeit, eine Spezies, die vom Aussterben bedroht ist.

Ich kann nicht anders, als sie zu bewundern und zu hoffen, dass ein wenig von ihrem Glanz eines Tages auch auf mich abfärbt. Schließlich kann ein bisschen königliche Eleganz, gutes Benehmen und Anstand nie schaden, oder?

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