Kindersachen
Es ist wie es ist, meine lieben Leser, aber die Kinder wachsen schneller als das Unkraut im Garten! Es scheint, als würden sie stündlich in die Höhe schießen und wöchentlich neue Kleidung und Schuhe brauchen. Auch meine beiden Töchter haben über den Winter einen ordentlichen Wachstumsschub hingelegt. Mit dem Frühling vor der Tür beschloss ich, den Kleiderschrank meiner kleinen Tochter auszumisten – und nicht nur den, sondern auch Spielzeuge, Spiele und all die anderen Dinge, die sie nicht mehr braucht. Uff, da kam ganz schön was zusammen, sage ich Ihnen! Sogar das Babybett musste weichen und wurde durch ein Kinderbett ersetzt.
Doch wohin mit all den Sachen, die noch in gutem Zustand sind? Wegschmeißen? Viel zu schade! Verkaufen? Zu viel Aufwand! Aber verschenken, ja, das ist eine großartige Idee! Leider gibt es hier auf Mallorca immer mehr Familien, die ums Überleben kämpfen und denen das Geld vorne und hinten nicht reicht, obwohl beide Elternteile arbeiten. Traurig, aber wahr! Also schnell Fotos gemacht, eine Annonce ins WWW gestellt und schon am nächsten Morgen meldete sich ein Interessent. Er wollte am Abend mit seinem Vater vorbeikommen und die Sachen abholen. So einfach kann es gehen, dachte ich mir und freute mich darüber, dass jemand die Sachen wirklich und sehr dringend benötigte.
Freundlich grüßend kamen die Herren herein. Nachdem die Treppe nach oben erklommen war, musste sich der Vater erstmal ausruhen und Luft holen, ich bot ihm einen Stuhl an. Der Sohnemann stand daneben und sah nachdenklich aus. Große Ratlosigkeit machte sich auf den Gesichtern der Männer breit! Wie sollen sie das Gitterbettchen ins Auto bekommen, das passt ja gar nicht rein in ihren Ford Ka! Auseinanderbauen, war mein Vorschlag und schon schwebte ich die Treppe wieder runter, um nach dem nötigen Werkzeug zu suchen. Ich ahnte es schon, dass diese einfache Aufgabe zu einer großen Herausforderung werden würde!
Zurück oben angekommen, sah ich, dass die beiden Männer immer noch ratlos dastanden und nicht mal in ihren kühnsten Träumen daran dachten, mir das Werkzeug aus den Händen zu nehmen und mit dem Auseinanderbauen anzufangen. Tja, selbst ist die Frau, dachte ich mir und begann das Bettchen auseinanderzumontieren. Der Vater und der Sohn schauten mir dabei regungslos und fasziniert zu, als ob ich gerade ein Wunder vollbringen würde. Schraube für Schraube, Brettchen für Brettchen und schon schrumpfte das Bettchen auf eine transportable Größe.
Als ich endlich fertig war, atmeten die beiden erleichtert auf, und erwachten so langsam aus ihrem Winterschlaf. Jedoch wartete nun die nächste Herausforderung! Die Sachen und das zerlegte Bettchen mussten ja noch irgendwie die Treppe runter und ins Auto rein. Ich packte mit an und trug die Sachen nach unten, während Vater und Sohn mir folgten und versuchten, nicht über ihre eigenen Füße zu stolpern.
Als die ganzen Dinge endlich im Auto verstaut waren, konnte ich erstmal gar nicht glauben, was so alles in einen Ford Ka passt. Es war, als hätten wir einen Elefanten in eine Streichholzschachtel gequetscht! Wir unterhielten uns noch und dabei erzählte mir der Sohn, dass diese Sachen für seine Tochter sind. Er ist alleinerziehend, die Mutter des Mädchens ist nicht mehr unter uns. Das Geld, das er verdient, reicht einfach nicht aus, egal wie sehr er sich bemüht, damit auszukommen.
Überschwänglich und glücklich bedankten sich die starken Herren der Schöpfung und hatten noch eine Bitte an mich: Wenn ich das nächste Mal den Kleiderschrank meiner Tochter ausmiste, dann soll ich ihn doch bitte anrufen, wenn es mir keine Umstände machen würde. Es wird mir keine Umstände machen, ich werde anrufen!